6. Tag Do 15.1.26
Der Morgen von Tag 6 beginnt wie jeder andere.
Der Früchteschnitz-Profi Tom hat bereits wieder geliefert. Sauber geschnitten, farblich abgestimmt, moralisch einwandfrei. Verlässlichkeit ist wichtig in unsicheren Zeiten.
Und doch liegt etwas in der Luft.
Ein komisches Klima.
Nein, wir sind uns alle d’accord.
Keine Spannungen.
Keine unterschwelligen Konflikte.
Keine Messer in der Schublade – zumindest keine emotionalen.
Vielleicht ist es einfach eine leichte Nervosität.
Denn heute steht grosses Kino an.
Und Kelohovi weiss:
Wenn grosses Kino angekündigt ist,
dann ist niemand wirklich entspannt –
auch wenn alle so tun.
Es folgen lange Gespräche.
Konzeptionelle Strategien werden entworfen, Abläufe diskutiert, Varianten verworfen und wieder hervorgeholt. Irgendwann fällt auch das Stichwort Songtext auswendig lernen – was zunächst niemand ernst nimmt. Zu Recht.
Dann wird es konkreter.
Es geht plötzlich nicht mehr nur ums Singen.
Choreografien stehen im Raum.
Bewegungsabläufe.
Positionen.
Verschiedene Aufnahmeplätze werden festgelegt, Tenüs diskutiert, Details hinterfragt. Spätestens jetzt beginnen die ersten innerlich leicht zu erstarren. Nicht aus Ablehnung – eher aus dem Gefühl heraus, dass das alles minimal verrückt klingt.
Aber niemand sagt etwas.
Alle nicken.
Kelohovi-typisch.
Wenn etwas absurd klingt,
ist es meist schon beschlossen.
So beginnt unser grosses Projekt: Musikvideo Kelohovi 2026.
In diesem Moment wissen wir noch nicht, wohin die Reise geht. Was beruhigend ist, denn Erwartungen würden nur stören.
Mit komplettem Equipment geht es raus an die frische Luft. Minusgrade, versteht sich. Optimal, um ruhig zu bleiben und feinmotorisch zu arbeiten.
Aus Schnee wird kurzerhand ein Podest zusammengeschustert. Stabil genug für alles, was wir vorhaben – also vermutlich gerade so. Zu Testzwecken wird auch gleich ein Schauspieler positioniert, damit die richtigen Kameraeinstellungen gefunden werden können. Er steht da. Friert. Liefert.
Das Ganze wirkt auf den ersten Blick völlig chaotisch.
Auf den zweiten Blick auch.
Und genau das heisst bei uns: hochprofessionell.
Nun beginnen die ersten Playbacks.
Die Crew stellt sich auf die Bühne, im Hintergrund läuft unser Song, zu dem wir jetzt einen Film zusammenbasteln werden.
Aber nicht irgendeinen Film.
Nein.
Kelo 2026 – Finnland Attack 26.
Titel steht. Anspruch auch. Der Rest ist offen.
Und ja, einige von uns haben in vielen Dingen unglaubliche Qualitäten. Technik. Organisation. Durchhaltevermögen. Improvisation bei –20 Grad.
Aber das, was wir hier gerade tun,
hat damit nur bedingt zu tun.
Was wir hier abliefern,
ist ungefähr so elegant
wie eine Kuh beim Schlittschuhlaufen.
Unkoordiniert.
Mutig.
Völlig überzeugt davon, dass es irgendwie gut wird.
Und genau deshalb machen wir weiter.
Wir würden euch an dieser Stelle sehr gerne Bilder zu unserem Projekt liefern.
Wirklich.
Leider hat der bestellte Fotograf kurzfristig abgesagt. Und von uns war schlicht niemand mehr frei, diesen Job auch noch zu übernehmen. Irgendwo muss man Prioritäten setzen.
Zudem – und das sei hier offen gesagt – möchten wir unsere sehr professionelle Vorgehensweise nicht vollständig offenlegen. Das Risiko wäre schlicht zu gross, dass es zu Nachahmern kommt.
Man muss sein Know-how schützen.
Gerade wenn es so einzigartig ist.
Wir bitten um Verständnis.
Und um Geduld.
Zu diesem Zweck haben wir uns entschieden, euch stattdessen mit Bildmaterial aus der ersten Woche zu erfreuen. Qualität braucht Zeit, und Transparenz ist überbewertet.
Damit das Ganze auch wirklich Hand und Fuss hat, wurde stundenlang beraten.
Diskutiert.
Verworfen.
Wieder hervorgeholt.
Am Ende entstand ein Ranking, nach klar definierten Kriterien:
Stimmung, Licht, Kältefaktor, emotionale Tiefe und natürlich die Frage, ob man dabei gut friert.
Nur Bilder, die diese interne Qualitätsprüfung überstanden haben, kamen überhaupt in Frage. Der Rest bleibt im Archiv. Aus Gründen.
Wir hoffen, ihr spürt beim Betrachten
die Kälte,
den Aufwand
und ein kleines bisschen Wahnsinn.
Zurück zum Filmset.
Mittlerweile habt ihr unseren Film ja sicher schon auf der Seite gesehen – und nein, es war nicht primär die Kälte. Das wäre zu einfach gewesen.
Es war der Wind.
Dieser ehrliche, gemeine Wind, der einem im T-Shirt sehr direkt erklärt, dass man hier eigentlich falsch angezogen ist.
Wie es sich für ein echtes Set gehört, wird natürlich nicht einmal gedreht.
Nicht zweimal.
Sondern nochmals und nochmals.
Bis der Regisseur zufrieden ist.
Was bekanntlich ein langer Prozess sein kann.
Haltungen werden korrigiert, Blicke neu angesetzt, Einsätze wiederholt. Irgendwann weiss niemand mehr, ob er friert, spielt oder einfach nur hofft, dass es bald vorbei ist.
Und doch – wie durch ein kleines Wunder – finden wir ein Ende.
Der letzte Take sitzt.
Alles ist im Kasten.
Erleichterung.
Stille.
Und dieses kollektive Gefühl von:
Gut, dass wir das gemacht haben.
Danach endlich zurück in der warmen Stube.
Und jetzt beginnen die Profis – allen voran René – damit, das Unmögliche zu bearbeiten, zu schneiden und in eine Form zu bringen, die man später tatsächlich zeigen kann.
Was hier entsteht, soll für Kelohovi ein Meilenstein werden. Kein kleines Bastelprojekt, sondern etwas mit Bestand.
Tom und Ivo bereisen Kelohovi seit 1998.
Jedes Jahr.
Unermüdlich.
Nicht, um immer wieder den gleichen Sch…
– sorry, nicht der Songtext –
sondern weil wir hier oben ein wunderbares Plätzchen auf dieser Welt gefunden haben. Einen Ort, an den man jedes Jahr zurückkehrt, um genau das zu erleben, was man im Tagebuch festhält: schöne Momente, absurde Situationen, Ruhe, Lärm, Kälte, Wärme – und jedes Mal einen unvergesslichen Urlaub.
Mit René haben wir nun jemanden dazugewonnen, der uns in seinem dritten Urlaub hier oben ein echtes Denkmal setzt. Mit Geduld, Können und erstaunlicher Ruhe.
Wir wissen noch nicht genau, wie das Resultat aussehen wird.
Aber wir wissen eines ganz sicher:
Wir freuen uns jetzt schon darauf.
Während René mit Volldampf am Film arbeitet, schauen wir – mehr aus Neugier als aus Ehrgeiz – wie es unsere Kollegen auf anderen Filmsets so treiben.
Der Film Der Tiger liefert dabei durchaus Erkenntnisse. Vor allem die:
Ja, technisch könnten wir vermutlich auch bald bei den Grossen mitspielen.
Aber genau hier kommt der Realitätscheck.
Wir wollen gar nicht bei den Grossen mitspielen.
Unsere Präferenzen im Leben liegen woanders.
Nicht bei Filmstars.
Nicht auf roten Teppichen.
Nicht bei Premieren mit Häppchen und falschem Lächeln.
Wir bevorzugen Kälte, Wind, zu wenig Schlaf, zu viel Kaffee, ehrliche Arbeit und Orte, an denen niemand fragt, was man „eigentlich beruflich macht“.
Kelohovi ist kein Karrieresprungbrett.
Kelohovi ist ein Rückzugsort.
Und das ist deutlich mehr wert.
Natürlich wird auch an diesem Tag gekocht und gegessen.
Alles andere wäre unverantwortlich.
Mit einer brisanten Entdeckung.
Der Plan war klar: Hörnli mit Gehacktem, mit Käse überbacken. Bewährt. Sicher. Emotional stabil.
Doch dann der Moment der Wahrheit.
Der Koch kostet die gemachten Teigwaren –
und weiss sofort:
Veganes Essen taugt für uns nicht wirklich.
Der Grund ist schnell gefunden.
Beim Einkauf hat sich der Koch einen Griff ins …
falsche Gestell erlaubt
und dabei etwas sehr, sehr Gesundes erwischt.
Zu gesund.
Verdächtig gesund.
Zum Glück hatten wir noch Ersatz.
Rettung in letzter Sekunde.
Das Menü wird umgebaut, korrigiert, wieder auf Kurs gebracht.
Am Ende sind alle Hungrigen glücklich.
Satt.
Und erleichtert.
Kelohovi merkt sich vieles.
Aber vegan gehört definitiv nicht dazu.
Nach dem Essen konnten wir uns wieder dem normalen Tagesgeschäft widmen.
Espresso.
Kaffee.
Schokolade.
Whisky.
Zigarren.
Der Ablauf ist bewährt und wird nicht mehr hinterfragt.
Natürlich läuft auch noch ein weiterer Film: Heads of State. Solide Unterhaltung, genau richtig für diesen Moment. René verfolgt das Ganze allerdings nur noch mit einem Auge.
Nicht, weil der Film schlecht wäre –
sondern weil das eigentliche Projekt ruft.
Der Film will fertig werden.
Geschnitten, angepasst, neu gedacht. Szenen werden verschoben, Stimmungen getestet, Entscheidungen getroffen.
Der Rest sitzt da, schaut, wartet, trinkt und tut so, als wäre Geduld eine Kernkompetenz.
Die Spannung steigt spürbar.
Alle sind unglaublich gespannt, was am Ende dabei herauskommt.
Kelohovi hält den Atem an.
Zu guter Letzt gab es an diesem Tag natürlich noch eine Sauna.
Einer musste allerdings aus gesundheitlichen Gründen verzichten.
Wir halten es sportlich, wie während der Playoffs:
Oberkörperverletzung.
Day to day.
Sollte aber in einem Tag wieder ready sein. Prognose optimistisch.
Nach der Sauna folgt – wie könnte es anders sein – noch ein Film. Routine ist wichtig, auch in historischen Momenten.
Und dann passiert es.
Völlig unerwartet.
Ein Novum.
Die absolut genialste Premiere ever.
Ein Meilenstein.
Ein Diamant in der Geschichte von Kelohovi.
So etwas gab es hier noch nie.
Und wird es so auch nicht mehr geben.
Das Resultat: unten.