5. Tag Mi 14.1.26
So ganz langsam erwachen wir im Kelohovi und fühlen uns endlich richtig angekommen. Kein Stress, kein Zeitgefühl, nur dieses angenehme Wissen, dass man genau dort ist, wo man sein sollte.
Nach dem ersten richtigen Kaffee steht das Frühstück wie gewohnt bereit. Der Schnitzelmeister hat geliefert. Ready zur Aufnahme, ohne Diskussion, ohne Verzögerung. Professionalität kennt hier keinen Jetlag.
Während des Frühstücks wird der gestrige Tag nochmals ausführlich analysiert.
Der Jacuzzi-Aufbau.
Die Entscheidungen.
Die Lösungen.
Und ja – wir klopfen uns dabei auch selbst auf die Schultern. Mehrfach. Verdientermassen.
Was wir da geleistet haben, war mindestens 7-Siechä-Niveau.
Bescheidenheit ist wichtig.
Aber nicht heute.
Es gab sie dann aber doch noch –
die ständige Suche nach Fotos.
Die Suche nach dem perfekten Moment. Auch am Tag.
Unabhängig von Temperaturen, Schneehöhe oder körperlichem Zustand. Wenn sich etwas zeigt, muss es in den Kasten. Ohne Diskussion.
Der Schnee ist tief.
Die Kälte präsent.
Die Motivation trotzdem da.
Und als wäre das nicht genug, schenkt uns der Tag auch noch einen wunderschönen Morgen. So einen, bei dem klar ist: Frühstück kann warten.
Also wird das Morgenessen kurzerhand um eine Stunde verschoben.
Prioritäten setzen funktioniert hier erstaunlich gut, wenn Licht, Stimmung und Landschaft stimmen.
Kelohovi-Ruhetag eben.
Man nimmt sich Zeit.
Nur nicht für den Zeitplan.
Nachdem wir unsere angeblich wichtigste Tätigkeit des Tages erfolgreich abgeschlossen hatten – also frieren, warten, schauen und im richtigen Moment so tun, als hätten wir alles unter Kontrolle – war klar, was jetzt kommt.
Richtig.
Filmzeit.
Ohne grosse Diskussion landet Finestkind auf der Leinwand. Der nächste sogenannte Blockbuster, der bei uns sofort das inoffizielle Prädikat „passt schon“ erhält. Genau richtig für einen Tag, der offiziell als Ruhetag gilt, praktisch aber wieder erstaunlich viel Energie gefressen hat.
Kelohovi bleibt konsequent:
Erst draussen alles geben.
Dann drinnen so tun, als wäre das der Plan gewesen.
Während der Film läuft, beginnt der Koch bereits mit der Vorbereitung fürs nächste Essen. Multitasking auf Kelohovi-Art: Auge halb auf der Leinwand, Kopf in der Küche, Hände irgendwo zwischen Pfanne und Feuer.
Dieses Holzofen-Feuerstellen-Dingsda ist nach wie vor nicht ganz einfach zu bedienen. Eher ein Charaktertest als ein Küchengerät. Aber: Es hat jeden einzelnen Tag funktioniert. Irgendwie.
Und die Nahrungsmittelaufnehmer haben bisher auch jedes Mal so getan, als wären sie zufrieden gewesen. Keine Beschwerden, keine Meuterei, keine Flucht in den Schnee.
Die grosse Frage des Abends bleibt also:
Heute auch?
Der Koch arbeitet jedenfalls daran.
Der Rest wartet.
Hunger ist ein hervorragender Motivator.
Zur Klarstellung:
Das Pulled Beef war der Rest von gestern. Kein neues Projekt, sondern nachhaltige Resteverwertung auf höchstem Niveau.
Dazu gebratene Kartoffelscheiben, Gemüse aus dem Garfond des Beef – also alles, was ohnehin schon da war und dringend verarbeitet werden wollte. Ergänzt wird das Ganze mit Schweinefilet-Medaillons an einer Sauce, die offensichtlich genau das Richtige getroffen hat.
Was danach folgt, ist reine Geschwindigkeit.
Kein Genuss.
Kein Innehalten.
Die Teller leer, als hätte jemand den Staubsaugermodus aktiviert.
Bis auf den letzten Brösel.
Ob die Jungs einfach unverschämt Hunger hatten
oder ob die Reste von gestern plötzlich kulinarische Superkräfte entwickelt haben,
lässt sich nicht mehr klären.
Fakt ist:
Reste gibt es jetzt keine mehr.
Das Abwägen beginnt.
Espresso.
Zigarre.
Neue finnische Schokolade – nicht neu für Finnland, aber neu in unserem Sortiment.
Whisky.
Film.
Oder doch die Erstbegehung des Jacuzzis?
Eine Entscheidung, die theoretisch reif für stundenlange Diskussionen wäre. Praktisch aber sofort eskaliert.
Denn natürlich kommt es, wie es kommen musste.
Eine Hybrid-Lösung.
Ganz im Stil der momentanen Weltordnung.
Zuerst Film.
Dann Pause.
Und während dieser Pause: der grosse Sprung ins Jacuzzi.
Die finnische Schokolade wird dabei offiziell ins Sortiment aufgenommen, der Espresso sorgt für Grundspannung, die Zigarre für Atmosphäre und der Whisky für gute Entscheidungen – oder zumindest für deren Akzeptanz.
Kelohovi entscheidet nie zwischen A oder B.
Kelohovi nimmt alles gleichzeitig.
Der Rest dieses Abends ist schnell erzählt.
Wir lassen es uns im Jacuzzi einfach gut gehen. Punkt.
Danach kommen wir wie neugeboren zurück in die Stube. Entspannt, weichgekocht und erstaunlich guter Dinge. Whisky, Zigarren und Kaffee erleben an diesem Abend sogar noch ein zweites Auferstehen – nicht weil es nötig wäre, sondern weil es uns schlicht zu gut geht.
Der Film läuft weiter, die Jungs sitzen zufrieden im Sessel, schwer beeindruckt vom eigenen Tageswerk und noch schwerer bewegt, sich irgendwohin zu bewegen.
Ein guter Tag.
Ein sehr guter.
Kelohovi liefert.
Welche Zeit es ist, weiss zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.
Es könnte sich bereits um die Morgenstunden handeln.
Es könnte aber auch einfach nur sehr spät sein.
Haben wir genug?
Natürlich nicht.
Also finden wir – rein zufällig – die Fortsetzung eines Films: Verirrte Kugel 3.
Und dieser Film kann nun mal nicht warten. Regeln sind Regeln.
Fürs Protokoll sei an dieser Stelle festgehalten:
Es gibt Personen im Haus, die dieses Jahr eine unglaubliche Steigerung der komplett gesehenen Filme verzeichnen. Wir sprechen hier von Grössenordnungen um die 60 %. Reine Statistik. Keine Wertung.
Nach dem Film ist dann aber endgültig Schluss.
Ab ins Bett. Ohne Diskussion.
Denn morgen gibt es Legendäres zu bewundern.
Und darauf freuen wir uns jetzt schon.