4. Tag Di 13.1.26
Heute beginnt Tag 4.
Standartmässig mit einem Frühstück, das uns genau die nötige Kraft gibt, um uns später der grossen Disziplin Jacuzzi zu stellen. Aber alles der Reihe nach – wir sind ja zivilisierte Menschen.
Zuerst wird am Frühstückstisch philosophiert. Begleitet von einem weiteren wunderbar geschnitzten Früchteteller von Tom, der allein optisch schon vermittelt, dass hier jemand zu viel Zeit, Talent und Hingabe besitzt.
Es geht um unser Zuhause.
Wie schön es ist.
Was man noch optimieren könnte.
Was eigentlich schon perfekt ist, aber trotzdem noch besser werden muss.
Informationen sprudeln aus mehreren kreativen Köpfen gleichzeitig. Gedanken, Ideen, Konzepte – alles auf einmal, ungefiltert, mit voller Überzeugung. Inhaltlich irgendwo zwischen genial und völlig folgenlos.
In etwa so wichtig,
wie wenn in China ein Sack Reis umfällt.
Aber genau deshalb lieben wir es.
Kelohovi lebt nicht nur von Holz, Schnee und Technik –
sondern von Gesprächen, die nichts lösen
und trotzdem alles richtig machen.
Jeder von uns hat sich gewissen Aufgaben angenommen.
Aufgaben, die jeden Tag anstehen.
Auch nach dem Frühstück.
Unabhängig von Temperatur, Motivation oder Kaffeepegel.
Da wird die Website gepflegt, Bilder werden bearbeitet, aufbereitet und perfektioniert – jene herausragenden Aufnahmen, die draussen unter widrigsten Bedingungen entstanden sind. Parallel dazu laufen die klassischen Frühstücksarbeiten: Abwasch, Ordnung, das stille Aufräumen der Spuren nächtlicher Entscheidungen.
Alles hat seinen Platz.
Alles läuft.
Fast schon beängstigend strukturiert.
Und danach beginnt er.
Der offizielle Teil des Tages.
Was genau das bedeutet, wissen wir noch nicht.
Aber Erfahrungsgemäss wird es körperlich, kalt
und vollkommen unnötig anstrengend.
Während René und Tom draussen beginnen, die XPS-Iso-Platten zu platzieren, verwandelt sich der Bereich vor dem Kelohovi langsam in eine Mischung aus Baustelle, Ausgrabungsstätte und Leistungssportarena.
Der Schnee wird ausgegraben, der Untergrund begradigt, alles haargenau eingepasst – Millimeterarbeit bei Temperaturen, bei denen Material eigentlich nur noch widerwillig kooperiert. Ziel: ein Podest in bester Lage für unseren Jacuzzi. Nicht irgendwie. Sondern richtig.
Die zwei betreiben einen Aufwand, der in keinem Verhältnis zur Aufgabe steht – also genau den richtigen. Gefrorenes wird ausgeschaufelt, Schnee entfernt, erneut geprüft, wieder korrigiert. Immer wieder Wasserwaage, immer wieder zurück auf Anfang.
Am Ende muss alles im Wasser sein.
Gerade.
Perfekt sitzend.
Damit der Jacuzzi später exakt dort steht, wo er stehen soll – stabil, würdevoll und bereit, unsere Fehlentscheidungen der nächsten Tage zu kompensieren.
Kelohovi baut nicht schnell.
Kelohovi baut richtig.
Während René und Tom draussen weiter am Fundament feilen, beginnt Ivo damit, sämtliche Komponenten zusammenzusuchen, die es für den Jacuzzi-Aufbau braucht. Schläuche, Pumpen, Anschlüsse, Dinge mit Gewinde, Dinge ohne Sinn – alles muss gefunden werden.
Was dabei leicht untergeht: Marja, die Besitzerin des Hauses, hat uns bereits im Vorfeld zweieinhalb grosse Bottiche mit kristallklarem Wasser vorbereitet. Ein Luxus. Ein Geschenk. Ein Haken.
Denn die Bottiche stehen auf dem Boden des Kelohovi.
Und das Wasser hat folglich gemütliche 3 bis 6 Grad.
Zu kalt selbst für eine Pumpe mit nordischer Erziehung. Anwerfen? Keine Chance.
Aber auch dafür sind wir – natürlich völlig zufällig – vorbereitet.
Exakt für diesen Moment wurden zwei Poolheizungen auf irgendeiner Verkaufsplattform in China bestellt. Eine dieser Entscheidungen, die sich im Nachhinein als Sechser im Lotto entpuppen.
Binnen kürzester Zeit heizen wir das Wasser in den Bottichen auf 30 Grad hoch.
Technik siegt.
Lappland schaut zu.
Kelohovi improvisiert nicht.
Kelohovi rechnet einfach mit allem.
Das Podest steht.
Gerade.
Stabil.
Unangemessen professionell.
Zeit also, alle Teile ins Innere des Kelohovi zu bringen und sie dort an der Wärme bereitzustellen. Schläuche, Anschlüsse, Technik – alles wird vorgeheizt, mental wie physisch. Denn draussen ist keine Zeit für Diskussionen.
Der Plan ist klar:
Jacuzzi raus, platzieren, sofort den äusseren Teil mit dem Jacuzzi-Kompressor mit Luft befüllen. Schnell, präzise, ohne Pausen.
Dieses Vorhaben gelingt uns erstaunlich gut. Fast schon verdächtig gut.
Die volle Luft geben wir allerdings erst dann frei, wenn genügend warmes Wasser im Pool bereitsteht.
Denn wir sind nicht wahnsinnig.
Nur ambitioniert.
Kelohovi arbeitet nach einem einfachen Prinzip:
Erst denken. Dann handeln. Dann frieren.
Danach folgt Wasser marsch.
Wir schleppen die vorgewärmten Bottiche auf die Veranda und beginnen, die ersten Kessel in den Pool zu füllen. Zwei Drittel des ersten Bottichs sind schnell drin – der Rest folgt, denn jetzt erlaubt es das Gewicht endlich, das komplette Wasser kontrolliert in den Pool zu leeren.
Dasselbe Spiel beim zweiten Bottich. Routine stellt sich ein, Muskeln funktionieren noch, Moral ebenfalls.
Natürlich haben wir es geahnt:
Der Jacuzzi-Kompressor meldet Error.
Wieder einmal.
Der Temperatursensor ist extrem sensibel und draussen bereits so durchgekühlt, dass er sich schlicht weigert, sinnvoll zu reagieren. Technik, die ihre Gefühle offen zeigt.
Also kommt Plan B zum Einsatz. Ein Plan, den wir nicht spontan erfinden, sondern schon lange in der Schublade haben.
Pumpe ausbauen.
Heisses, kochendes Wasser einfüllen.
Und das Ganze drinnen stehen lassen.
Kelohovi arbeitet nicht mit Hoffnung.
Kelohovi arbeitet mit Ersatzplänen.
Nach exakt 15 Minuten – keine Sekunde länger, Geduld ist schliesslich keine Ressource – eilen wir wieder nach draussen.
Die Pumpe wird erneut montiert, festgezogen, kritisch beäugt … und dann laufen gelassen.
Et voilà.
Alles bestens.
Das Wasser wird sauber angesogen, durch den Durchlauferhitzer gejagt und beginnt nun endlich, das Jacuzzi-Wasser zuverlässig zu erwärmen. Ein Moment tiefer innerer Zufriedenheit. Technik, die tut, was sie soll – selten, aber schön.
Damit wir das Ganze noch etwas beschleunigen, setzen wir zusätzlich auf Plan C:
Ein 3-kW-Pooltauchsieder, der mit ehrlichen drei Kilowatt mithilft, das Projekt zeitlich wieder in einen Bereich zu bringen, der mit menschlicher Lebensdauer vereinbar ist.
Kelohovi rechnet nicht in Minuten.
Kelohovi rechnet in Kilowatt.
Nun stellen wir fest:
Der Jacuzzi beginnt tatsächlich zu heizen.
Und ja – das Wasser wird warm. Wirklich warm. Ein kleiner, aber sehr befriedigender Sieg.
Zwischendurch geben wir immer wieder mehrere Schaufeln Schnee direkt ins Jacuzzi. Nicht aus Spass, sondern aus rein mathematischer Notwendigkeit. Am Ende braucht es schliesslich genügend Wasser, und was liegt näher, als es direkt vor Ort frisch zu ernten. Nachhaltig. Regional. Tiefgekühlt.
Die Heizleistung des halbgefüllten Jacuzzis liegt bei etwa 3 bis 4 Grad pro Stunde. Eine Zahl, die Vertrauen schafft. Rechnet man grosszügig, optimistisch und mit etwas Kelohovi-Glauben, sollte der Jacuzzi also schon bald einsatzbereit sein.
„Bald“ ist hier natürlich ein dehnbarer Begriff.
Aber wir sind vorbereitet.
Mental.
Und mit Schnee.
Jetzt beginnt die Zeit, in der Küche.
Währenddessen arbeitet die Zeit still, leise und völlig unauffällig für den Jacuzzi und erwärmt das Wasser. Ohne Drama, ohne Diskussion, einfach vor sich hin. Vorbildlich.
Zwei parallele Hochleistungsprozesse:
Koch am Herd – mit Messer, Pfanne und leichtem Zeitdruck.
Der Jacuzzi draussen – mit Kilowatt, Geduld und Schnee als Gegenspieler.
Beide mit dem gleichen Ziel:
Am Ende soll alles warm sein.
Kelohovi-Logik:
Essen kommt, wenn es fertig ist.
Jacuzzi auch.
Gekocht wird ein Schulterstück vom Rind.
Das Fleisch wird in der Pfanne angebraten und anschliessend in einem Sud geschmort. Dauert. Muss so sein. Das Fleisch diskutiert nicht, es entscheidet.
Parallel dazu bereitet Tom mehrere Gemüse vor. Knoblauch, Zwiebeln, Sellerie und Karotten. Alles wird geschnitten, alles kommt dazu. Ordnung ist relativ, am Ende landet ohnehin alles im Topf.
Nebenbei entsteht ein Coleslaw aus Spitzkohl, Zwiebeln und geriebenen Karotten. Viel Schnippelarbeit für etwas, das in drei Minuten aufgegessen sein wird.
Zusätzlich wird eine Sauce aus Tomaten und Avocado vorbereitet. Kein Drama, aber weiterer Aufwand, während der Rest weiter kocht und Zeit frisst.
Viele Schritte.
Viele Pfannen.
Viel Geduld.
Kochen im Kelohovi:
Einfach, aber nie schnell.
Während die Küche auf Hochtouren läuft, schauen wir gemeinsam einen Film: The Accountant 2. Sehr guter Film, das sei ausdrücklich erwähnt.
Immer wieder gibt es kurze Pausen für den Koch. Nicht aus Rücksicht, sondern aus Notwendigkeit – jemand muss schliesslich die inzwischen sehr leckere Suppe servieren. Multitasking auf Kelohovi-Niveau.
Mit dem Ende des Films ist dann aber definitiv klar:
Jetzt reicht es.
Der Koch wird konsequent in die Küche verbannt, wo er bestens aufgehoben ist und in Ruhe weiterarbeiten kann. Der Rest der Truppe widmet sich geschlossen dem nächsten Film: Ricky Stanicky.
Klare Zuständigkeiten.
Keine Diskussionen.
Kelohovi funktioniert am besten,
wenn jeder genau dort ist, wo er hingehört.
Tortilla, gefüllt mit Pulled Beef und geschmortem Gemüse.
Dazu ein Cold Slaw Salad, für das gute Gewissen.
In kürzester Zeit wird das Ganze verschlungen und restlos aufgegessen.
Kein Smalltalk.
Kein Lob.
Nur Hunger in Reinform.
Ob die Jungs einfach extremen Hunger hatten
oder ob das Zeug tatsächlich richtig gut war,
bleibt offen.
Einen kleinen Rest vom Beef lassen wir am ganzen Stück bewusst übrig.
Man weiss ja nie.
Morgen könnten die Nahrungsmittel knapp werden.
Alles in genau dieser Reihenfolge.
Erst danach wird abgewaschen – Prioritäten müssen stimmen.
Anschliessend geht es in eine bequeme Sitzstellung, und der nächste Film flimmert über die Leinwand: Road House. Entspannt, vorhersehbar, genau richtig für diesen Moment.
Währenddessen läuft im Hintergrund ein weiterer, eher sportlicher Programmpunkt. Alle zwei bis drei Stunden wird zusätzliche Zeit investiert, um den Jacuzzi mit Schnee zu befüllen. Nachhaltige Wasserversorgung auf Lappland-Niveau.
Die Heizungen laufen auf Hochtouren, ohne Diskussion, ohne Rücksicht auf Stromrechnungen. Ziel ist klar:
Morgen soll einem ersten wunderbaren Bad nichts im Wege stehen.
Kelohovi denkt voraus.
Und heizt entsprechend.
Der Film Road House wurde von uns kurzerhand in die obere Kategorie eingestuft und offiziell für gut befunden. Einstimmig. Wobei fairerweise erwähnt werden muss:
Als der Abspann lief, waren zwei noch vollständig wach.
Diese zwei haben den Film auch tatsächlich komplett gesehen. Die anderen waren emotional anwesend.
Zur Feier des Tages – und weil es einfach dazugehört – wurde anschliessend noch ein Saunagang genossen. Ein würdiger Abschluss nach einem Tag, der mehr Energie gefressen hat, als ursprünglich eingeplant.
Danach ging es dann auch alsbald ins Bett.
Ohne Diskussion.
Ohne Zusatzprogramm.
Mittlerweile haben wir wieder normale Temperaturen zwischen –15 und –25 Grad. Also praktisch Frühling.
Gute Nacht, Kelohovi.
Morgen baden wir.