12. Tag Mi 21.1.26
Der 12. Tag im Kelohovi beginnt mit einem kurzen Begrüssungskomitee der Sonne. Kein langes Händeschütteln, kein Smalltalk – eher ein freundliches „Hallo, ich bin auch noch da“.
Es hält nicht lange an.
Aber es reicht völlig.
Genug Licht, um glücklich aufzuwachen.
Genug Wärme fürs Gemüt.
Und genau die richtige Dosis, um ausgeschlafen und zufrieden in den Tag zu starten.
Mehr braucht es nicht.
Der Rest ergibt sich.
Ein stattliches Frühstück hilft schon mal enorm, den Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Kaffee wirkt, Brot verschwindet, alles kommt langsam in Schwung – so weit, so gut.
Dann folgt der Vitamin-Teller. Wir nennen ihn bewusst so, um die Erwartungshaltung tief zu halten. Optisch ist das Ganze eher ein Trauerspiel. Keine Kunst, keine Symmetrie, keine Liebe fürs Detail.
Aber:
Die Idee ist da.
Der Nutzen auch.
Schönheit ist heute sekundär.
Vitamine erfüllen ihren Zweck auch ohne Applaus.
Eigentlich wären wir startklar. Für weitere schöne Fotos am Abend, versteht sich. Die Speichermöglichkeiten sind optimiert, Karten geleert, Ordnung geschaffen – rein theoretisch könnten wir noch ein paar hundert Fotos nachlegen, ohne dass irgendetwas überläuft oder protestiert.
Leider haben die diversen Apps heute andere Pläne mit uns. Die Prognose ist… sagen wir… ausbaufähig. Der Himmel dürfte für die nächsten paar Nächte zu bleiben. Keine Disco, kein Flackern, kein Zauber – eher geschlossen wegen Umbau.
Also bleibt uns im Moment nur Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich gegen Ende der Woche doch noch ein Slot auftut. So ein kleines Zeitfenster, in dem der Himmel beschliesst, die Disco wieder zu eröffnen.
Bereit wären wir.
Mehr als bereit.
Und weiter geht’s mit dem ganz normalen Wahnsinn. Bildbearbeitung, Content für die Website und diverse haushälterische Arbeiten, die sich hartnäckig weigern, sich von selbst zu erledigen. Auch ein KP8 entschuldigt keinen Abwasch – leider. Also wird geschrubbt, sortiert, geschoben und so getan, als hätte man alles im Griff.
Erst wenn der Haushalt halbwegs beruhigt ist und die letzten Pixel geradegerückt sind, geht es über zum nächsten Programmpunkt. Filmzeit. Damaged läuft an. Ein echter Knüller – zumindest laut Titel. Perfekt für einen Abend, an dem man eigentlich müde ist, aber trotzdem noch glaubt, wach bleiben zu können.
Der Film ist durch, alle wieder wach – was an sich schon eine kleine Sensation ist – und bereit für den nächsten Step. Und dieser liegt, wie es sich im Kelohovi gehört, keine fünf Meter vor dem Haus. Das Jacuzzi wartet bereits, warm, geduldig und völlig frei von Erwartungen. Also rein da.
Wir geniessen das Ganze mit den bewährten Standard-Features: heisses Wasser, kalte Luft, diese spezielle Ruhe, die sich nur hier einstellt. Keine Experimente, kein Schnickschnack – das Setup funktioniert. Einzig eine Regel gilt weiterhin strikt: nicht zu weit rausschwimmen. Man weiss ja nie.
Natürlich dürfen Zigarre und Whisky nicht fehlen. Die Zigarre glimmt zuverlässig, der Whisky übernimmt die innere Klimaregulierung, und plötzlich wirkt selbst die Kälte draussen eher wie ein theoretisches Konzept.
Wir sitzen im warmen Wasser, ziehen genüsslich, nippen bedacht und sind uns still einig:
Wenn diese Kombination irgendwo Sinn ergibt,
dann genau hier.
Und weil es gerade so schön ist, entscheiden wir uns völlig spontan noch für eine weitere Staffel. Citadel hilft dabei erstaunlich gut, den aufkommenden Hunger erst einmal zu verdrängen. Funktioniert eine Weile. Nicht ewig.
Später meldet sich der Körper dann doch sehr deutlich. Also ab in die Küche. Es gibt gebratene Kartoffelwürfel, einen Salat zur Beruhigung des Gewissens und dazu einen Hamburger vom Feinsten. Der Koch war offenbar leicht übermotiviert und hat gleich so viel gemacht, dass beide die Bäuche richtig vollschlagen. Vorsorglich. Man weiss ja nie.
Danach ist klar:
Bewegen wäre jetzt falsch.
Also nehmen wir noch eine weitere Staffel in Angriff, rein therapeutisch, um das Ganze etwas zu verdauen. Erst wenn wieder minimale Beweglichkeit hergestellt ist, geht es weiter zur Sauna.
Kelohovi-Logik:
Erst essen.
Dann sitzen.
Dann schwitzen.
Bei fast 95 Grad treffen wir in der Sauna ein – beste Voraussetzungen also, um eine richtig gute Idee zu haben. Heute testen wir nämlich etwas Spezielles als Aufguss. Mehr möchten wir dazu nicht sagen. Wirklich nicht.
Nur so viel:
Es war eine Katastrophe.
Keine kreative.
Keine lehrreiche.
Eine ganz normale, handfeste Katastrophe.
Aber wer uns kennt, weiss: Das war es noch nicht. Unser Ehrgeiz ist zu gross, unser Lernwille zu schmerzfrei und unsere Fehlertoleranz erstaunlich hoch. Wir bleiben dran.
Und sollten wir es irgendwann tatsächlich hinbekommen,
kommen wir sehr gerne auf diese Peinlichkeit zurück.
Ausführlich.
Frisch sauniert, wie neu geboren, waten wir durch den Schnee zurück ins Kelohovi. Eine wunderschöne Kulisse bei milden –12 bis –14 Grad. Kälte, die man fast nicht spürt – selbst dann nicht, wenn man halbnackt durch die Wildnis eilt.
Zurück in der Stube verfolgen wir weiter unsere neue Staffel, lassen uns noch das eine oder andere Getränk schmecken und kommen langsam wieder runter. Kein Plan mehr, kein Ziel, nur dieses angenehme Ausklingenlassen.
Irgendwann verabschieden wir uns von einem weiteren schönen Tag und gleiten in den Tiefschlaf.
Bereit für das, was morgen kommt.